Ihr Lieben, die Adventszeit steht vor der Tür, und bei vielen brennen in wenigen Tagen wieder Kerzen, der Diffusor läuft, und das Raumspray steht griffbereit. Wirklich gemütlich und gut riechend soll es sein – so wie immer. Gerade deshalb möchte ich auf ein Thema aufmerksam machen, das im Alltag kaum auffällt: Was wir da in die Raumluft bringen, und was das für unsere Kinder bedeutet.
Duft ist nicht gleich frische Luft
Das Wichtigste vorab: Ein angenehmer Duft verbessert die Luft nicht. Laut Umweltbundesamt ist Raumbeduftung eine zusätzliche Belastung der Innenraumluft, denn Duftstoffe überdecken verbrauchte oder belastete Luft nur (DAAB, 2023). Auch Produkte, die als „Lufterfrischer“ oder „Raumluftverbesserer“ verkauft werden, können in die Irre führen, weil sie eine Verbesserung der Luft suggerieren (LAVES Niedersachsen, mit Verweis auf das Umweltbundesamt).
Dazu kommt: Die Duftstoffe atmen alle mit, ohne genau zu wissen, welche Stoffe das sind. Über Langzeitfolgen und Wechselwirkungen mit anderen flüchtigen Stoffen gibt es derzeit noch keine Informationen (DAAB, 2023). Und: Duftstoffe in Produkten zur Raumbeduftung müssen im Gegensatz zu Waschmitteln nicht deklariert werden, Verbraucher können sich also nicht über die Inhaltsstoffe informieren (Bundesumweltministerium).
Duftkerzen und Räucherstäbchen: Verbrennung kommt dazu
Bei Duftkerzen, Öllämpchen und Räucherstäbchen entstehen zusätzlich Verbrennungsprodukte wie Feinstaub, Rußpartikel, Kohlenmonoxid und weitere Schadstoffe, zum Beispiel Formaldehyd. Die Belastung der Raumluft nimmt laut dem Schweizer Bundesamt für Gesundheit von Duftkerzen über Öllämpchen bis zu Räucherstäbchen zu. Welche Stoffe frei werden, hängt vom Wachs, von der Dekoration und den Brennbedingungen ab, ein zu langer Docht kann zum Beispiel mehr Ruß erzeugen. Verbrennungsprodukte in der Raumluft können Schleimhautreizungen, Kopfschmerzen und Unwohlsein auslösen, und das Risiko für chronische Atemwegserkrankungen kann zunehmen (BAG).
Das Fraunhofer-Institut für Holzforschung hat zudem nachgewiesen, dass nach dem Abbrennen von Duftkerzen mehr polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und mehr Feinstaub in der Raumluft nachweisbar sind als bei unparfümierten Kerzen (AOK).
Raumsprays und Diffusoren: flüchtige Stoffe und Allergene
Raumluftparfums belasten die Raumluft mit flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) (BAG). Das Bundesumweltministerium schreibt, dass eingeatmete Duftstoffe bei empfindlichen Menschen Kopfschmerzen, Übelkeit und Reizungen der Augen und Atemwege auslösen können (BMUKN). Der Deutsche Allergie- und Asthmabund berichtet, dass sich immer mehr Menschen mit Beschwerden durch luftgetragene Duftstoffe melden, von Kopfschmerzen über Hustenreiz bis zu Herzkreislaufbeschwerden (DAAB, 2023).
Zur Einordnung: Dass allergene Duftstoffe über die Raumluft Allergien auslösen, ist laut BAG bei sehr hohen Belastungen beschrieben, etwa beim Abbrennen von Räucherstäbchen bei Gebetsritualen. Ob auch niedrigere Konzentrationen ausreichen, ist noch nicht schlüssig geklärt. Gut bekannt ist dagegen, dass Raumdüfte bei einigen Asthmatikern Asthmareaktionen auslösen oder verstärken können (BAG).
Ätherische Öle: natürlich heißt nicht harmlos
Raumdüfte mit ätherischen Ölen gelten oft als die gesunde Alternative. Das Bundesamt für Gesundheit stellt klar: Ob identische Duftstoffe natürlichen oder künstlichen Ursprungs sind, macht für die menschliche Gesundheit keinen Unterschied. Viele Duftöle reizen die Haut und unter Umständen auch die Atemwege.
Die größte Gefahr besteht für Kinder, wenn sie Duftöle verschlucken, denn dann können sie in die Lunge gelangen und schwere Schäden verursachen. Ätherische Öle gehören deshalb immer außerhalb der Reichweite von Kindern. Bei Verdacht auf Verschlucken sollte man kein Erbrechen auslösen, sondern sofort ärztliche Hilfe oder ein Giftinformationszentrum kontaktieren (BAG). Das habe ich auch im Beitrag Giftstoffe in Waschmittel so geschrieben.
Was wir stattdessen tun
Das Bundesumweltministerium empfiehlt (BMUKN):
- Lüften und regelmäßig reinigen. Unangenehme Gerüche sollten an der Ursache beseitigt und nicht mit Duftstoffen überdeckt werden.
- Zurückhaltend mit Duftlampen und Räucherstäbchen umgehen, genauso mit „Aromatherapie“-Produkten, die eingeatmet werden.
- Nicht parfümierte Wasch- und Reinigungsmittel nutzen. Wäsche, die an der frischen Luft trocknet, hat einen angenehmen Eigengeruch.
- Auf den Blauen Engel achten, wenn es um schadstoffarme Innenausstattung geht.
Der DAAB empfiehlt, besonders in Haushalten mit Kindern aus Vorsorgegründen häufig zu lüften, am wirksamsten mit drei bis fünf Minuten Querlüften bei weit geöffneten Fenstern (DAAB, 2023). Das BAG rät, Kerzen, Raumluftparfums und Duftlämpchen nur gezielt und zeitlich begrenzt zu nutzen und danach, spätestens vor dem Zubettgehen, kräftig zu lüften. In Anwesenheit von Asthmatikern sollte man auf Duftsprays, Duftkerzen und Räucherstäbchen verzichten. Und: Kinder wehren sich oft nicht aktiv gegen Gerüche (BAG).
Bei uns heißt das: Wenn eine Kerze brennt, dann gezielt, nicht im Kinderzimmer und mit anschließendem Lüften.
Unsere Haltung dazu
Ich möchte niemandem die Gemütlichkeit in der Adventszeit nehmen. Aber ich finde: Wer weiß, was in der Raumluft landet, kann bewusster entscheiden. Für uns gilt dasselbe Vorsorgeprinzip wie bei Mikroplastik, Phthalaten und Waschmitteln: Wenn man mit wenig Aufwand unnötige Stoffe vermeiden kann, sollte man es tun, besonders dort, wo Kinder leben. Dass auch die EU hier genauer hinschaut, zeigt eine Frist aus der Mikroplastik-Beschränkung: Für Lufterfrischer gilt sie ab dem 17. Oktober 2028 (Europäische Kommission). Mehr dazu in meinem Beitrag Mikroplastik: Wo steckt es drin und was macht es?.
Mehr zum Thema findest du in den Beiträgen Giftstoffe in Produkten, Hinschauen für unsere Kinder und Umweltschutz als Eltern.
Euer Thomas
Quellen
- Bundesumweltministerium (BMUKN): Duftstoffe, Stand 04.08.2026
- Bundesamt für Gesundheit (Schweiz): Ätherische Öle
- Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB): Raumdüfte: Negative Effekte auch für Gesunde?, April 2023
- Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz (LAVES): Raumluftbedufter, Duftöle & Co.
- AOK: So schädlich sind Duftkerzen, Lampenöl und Räucherstäbchen
- Europäische Kommission: Beschränkung von Mikroplastik in der EU ab dem 17. Oktober 2023
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Über mich
Hi, ich bin Tom, Familienvater und selbstständiger RINGANA-Partner. Auf meinem Blog teile ich meine Erfahrungen rund um Gesundheit, bewusste Produktentscheidungen und Nachhaltigkeit. Besonders wichtig ist mir, dass unsere Kinder gesund aufwachsen und wir ihnen eine lebenswerte Zukunft hinterlassen.
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